Zur kollaborativen Auftragsarbeit der Licht-Raum-Installation

Die künstlerische Licht-Raum-Installation nimmt eine einzigartige zeitgenössische Position im Foyer des MOK ein. Als kollaborativ und ortsspezifisch umgesetzte Auftragsarbeit umfasst sie zwei ästhetisch und konzeptuell miteinander korrespondierende, zugleich in sich eigenständige Kunstwerke: Andreas Schmids von der Decke abgehangene Lichtskulptur Geste im Raum (Gesture in Space) und Zheng Chongbins freistehende Raumskulptur With or Without Edge (Mit oder ohne Kante). In diesen fließen verschiedene Inspirationsquellen aus unterschiedlichen diskursiven Traditionen grenzüberschreitend zusammen. Gemeinsam kreieren sie eine dynamische, offene Struktur, die mit der physischen Umgebung des Ortes sowie mit den Besuchenden des MOK aktiv in Dialog tritt.

Kontemplativ und atmosphärisch akzentuieren Geste im Raum und With or Without Edge auf jeweils eigene und gleichzeitig wechselwirkende Weise die gegebene Raumsituation. Subtil materialisieren und lenken sie die unsichtbar verlaufenden Blicklinien und veränderlichen Bezugslinien des Ortes in allen seinen Potenzialitäten: als bewegtes, relationales Gefüge, das zwischen Architektur, Mensch und Natur, Innen und Außen sowie realer und gespiegelter Form oszilliert. Von der Universitätsstraße wie vom Aachener Weiher aus ist die Licht-Raum-Installation, zugleich Sichtbarmachung des Museums als Raum und Ort, im Hellen wie im Dunkeln wahrnehmbar. Das Kunstwerk fügt sich ortsspezifisch in das architektonische Gesamtgefüge des Museums ein, erweitert dieses mit feinsinniger wie klarer Strahlkraft.

Das kollaborative Projekt stellt eine erstmalige Zusammenarbeit der Künstler dar. Schmid und Zheng, deren Austausch durch eine langjährige persönliche Verbindung geprägt ist, gelten heute beide als entscheidende Akteure im Bereich transkultureller Gegenwartskunst mit Ostasienbezug.

Andreas Schmid (*1955)
Geste im Raum (Gesture in Space)
2025
26 Acrylglasröhren, RGB-LED
L 50–275 cm, D 3 cm je Röhre
programmierte Zyklen, DMX-Steuerung
Umsetzung mit Studio Barthelmes Berlin
Erworben aus Mitteln der Stadt Köln

Die elektronisch gesteuerte Lichtkunst besteht aus 26 matten LED-beleuchteten Acrylglasröhren unterschiedlicher Länge, die sich in verschiedenen Höhen von der Decke abgehängt teilweise überlagern und als offener Körper im Museumsfoyer ausdehnen. Es entsteht eine fragile, transluzide Raumskulptur, die sich schräg an einer gedachten Linie entlang durch das Foyer zieht, angefangen vor der Tür des Museums-Shops bis hin zur nordöstlichen Ecke des Innengartens und zum Eingang in die Ausstellungsräume weisend. Die Setzung der Lichtskulptur zeichnet die architektonische Struktur des Foyers als Raum und Ort ein, rahmt hierbei die unmittelbare Umgebung des japanischen Gartens, des Museumscafés und der außenliegenden Park- und Seeanlange.

Durch unterschiedliche, ortsspezifisch programmierte Loops bzw. Zyklen von ca. 10 Minuten Länge werden die Leuchtröhren als Lichtskulptur belebt, die sich mehrdimensional räumlich wie zeitlich entfaltet. Die Loops lassen die einzelnen Lichtlinien wie eine musikalische Komposition in variierendem Tempo in unterschiedlichen Farbigkeiten und Leuchtintensitäten manchmal hell, manchmal gedimmt aufscheinen, manchmal auch gänzlich verschwinden; erinnern hierbei an die gestischen Bewegungen kalligrafischer Linienführung, ebenso an das rhythmische Atmen und Pulsieren eines lebenden Organismus. So erfüllt sich das Kunstwerk in einem ausgedehnten Moment erst in den Augen der Betrachtenden sowie deren Durchschreiten des physischen Raumes. Ohne bestimmten Anfang und Abschluss wird das zyklisch wiederkehrende Bildprogramm der Lichtskulptur – je nach Standpunkt und Blickwinkel, Tageszeit und Wetterlage, Lichteinfall, Schattenwurf und Spiegelung – ein jedes Mal anders und neuartig erfahren.

Die mit DMX-Steuerung programmierte Lichtkunst wurde in Zusammenarbeit mit dem Ingenieursbüro Studio Barthelmes Berlin, welches zahlreiche Projekte mit wegführenden Lichtkünstlern wie James Turell und Olafur Eliasson realisiert hat, umgesetzt.

Zum Künstler
Andreas Schmid (geb. 1955 in Stuttgart) gehört einer speziellen Künstlergeneration des deutschsprachigen Raumes an, die die prägenden Jahre der Öffnungs- und Reformpolitik der Volksrepublik Chinas nach 1976 intensiv miterlebte. Er war unter den ersten Austauschstudierenden, die Anfang der 1980er Jahre über den Deutschen Akademischen Austauschdienst die Möglichkeit erhielten, in China zu studieren. In diesem Zusammenhang erlernte Schmid an der Nationalen Kunstakademie in Hangzhou unter dem heute weltweit renommierten Kalligrafen Wang Dongling chinesische Schriftkunst. Diese Lernerfahrung prägte Schmids Schaffen als Licht- und Raumkünstler nachhaltig. Heute sind seine minimalistischen, großformatigen Lichtskulpturen im öffentlichen Raum nach wie vor durch elementare kalligrafische Prinzipien bestimmt: Linearität, Zeitlichkeit, Rhythmus und stetige Transformation der Form. 1993 ko-kuratierte Schmid die bahnbrechende Ausstellung China Avantgarde im Haus der Kulturen der Welt, Berlin: eine der ersten Präsentationen chinesischer Gegenwartskunst überhaupt im europäischen Raum. Die Arbeiten des in Berlin lebenden Künstlers sind u.a. in der Mercedes-Benz Art Collection, in den Kunstsammlungen Chemnitz, im Kunstmuseum Stuttgart, im Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, in der Raketenstation Hombroich sowie in der Zentralen Kunstakademie Peking international vertreten.

Zheng Chongbin (*1961)
With or Without Edge (Mit oder ohne Kante)
2025
6 Acrylpaneele, dichroitische Folie, Edelstahl
H 230 cm, B 95–135 cm, T 3–5 cm je Paneel
Erworben aus Mitteln der Stadt Köln

Die freistehende Acrylglas-Skulptur besteht aus sechs radial und fächerartig angeordneten Paneelen, die an der Basis durch Edelstahlleisten gestützt und in einem Zentrum miteinander verbunden sind. Die Paneele variieren in ihrer Breite und Tiefe und sind teilweise mit farblich irisierender Folie verarbeitet. Jedes Paneel ist durchbrochen und weist einen individuellen, geometrisch geformten fensterartigen Ausschnitt auf; erinnert hierbei an die ikonischen Skyspace-Arbeiten James Turells aus den 1970er Jahren. Das Gesamtkonstrukt erinnert an eine Art Drehtür, die wir Schritt für Schritt aktivieren. Je nach Standpunkt, Blickrichtung und Fokus rahmen die sechs „Fenster“ unsere Ausblicke, Einblicke, Durchblicke. Mit der Umschreitung um die Skulptur herum verändern sich die Blickpunkte und Perspektiven. Die sich überlagernden Ausschnitte kreieren immer wieder neue Brechungen, Zusammenfügungen, Refraktierungen des Blickfeldes und damit der räumlichen Wahrnehmung. Erst durch unser Schauen und Weitergehen werden die multiplen Szenen, Bild für Bild, vielmehr Bild-in-Bild in Gang gesetzt. Die wahrgenommene Umgebung – Museumsfoyer, Innengarten, Außenpark – wird selbst Teil des belebten Kunstwerks: gerahmt, gefiltert, gespiegelt. Unterschiedliche Realitäten treten als begrenzten und ebenso ent-grenzten Raum hervor. Die Betrachtenden werden sich des Momentes ihrer Bewegung gewahr, steuern hierbei selbst das Tempo und die Intensität der Betrachtung, begegnen sich zuweilen in Form des eigenen Spiegelbildes.

Die transparente, farblich changierende Beschaffenheit der Paneele eröffnet ein prismatisches Spektrum, das sich kristallartig von einem Zentrum ausgehend gerade in den Seitenrändern oder „Kanten“ der Paneele sowie deren „Fensterrahmen“ bündelt und in verschiedene Richtungen ausstrahlt. Kein Rundgang um die Skulptur herum ist gleich: Äußere Faktoren wie Tageszeit, Jahreszeit und Wetterlage definieren jeden Moment des Licht- und Schatteneinfalls und damit die spektralen Effekte der Reflexion und Deflektion aufs Neue. Letztlich aber entscheiden wir selbst den Modus unserer Betrachtung, so wie es der Werktitel suggeriert: Mit oder ohne Kante. In den Worten des Künstlers selbst: „Der Titel With or Without Edge impliziert eine Ambiguität, die die Autonomie der Betrachtenden in Bezug auf die Art und Weise ihrer Betrachtung produktiv aktiviert.“

Zum Künstler
Zheng Chongbin (geb. 1961 in Shanghai) schloss 1984 sein Studium der Chinesischen Malerei an der Nationalen Kunstakademie in Hangzhou ab, unterrichte dort bis zu seiner Emigration 1988 in die USA. Zheng war der weltweit erste Rezipient eines International Fellowship des San Francisco Art Institute, wo er 1989 bis 1991 sein Masterstudium im Fach Performance, Video und Installation absolvierte. Der international renommierte, heute weiterhin in San Francisco lebende Künstler wurde zunächst durch sein Schaffen als Tuschekünstler bekannt. Seine abstrakten malerischen Tuschearbeiten gründet sich nach wie vor in technischen, ästhetischen und konzeptuellen Elementen der klassischen chinesischen Kalligrafie und Landschaftsmalerei. Im Laufe der vergangenen Dekade erweiterte sich Zhengs kreatives Spektrum um ortsspezifische Licht- und Rauminstallationen, die von der kalifornischen Light and Space Movement sowie dem Neuen Materialismus inspiriert sind. Seine Kunst wird u.a. am Asian Art Museum, San Francisco; British Museum, London; Hong Kong Museum of Art; Los Angeles County Museum of Art; The Metropolitan Museum of Art, New York; M+, Hong Kong; The Art Institute of Chicago; sowie in der Mercedes-Benz Art Collection, gesammelt

Kostbare Schenkung

Das Museum für Ostasiatische Kunst dankt dem Freundeskreis des Museums für Lackkunst e.V. herzlich für die Schenkung eines zeitgenössischen japanischen Lackobjekts.

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Stellungnahme der Direktorin

Einbruchdiebstahl am Museum für Ostasiatische Kunst Köln am 13. September 2023

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Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag 11–17 Uhr
1. Donnerstag im Monat
11-22 Uhr (ausgenommen Feiertage); an allen Feiertagen geöffnet
am 24., 25., 31.12 und 1.1. sowie am Tag des Köln-Marathon geschlossen.

Karfreitag, Ostersonntag und -montag sowie an Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, und Fronleichnam geöffnet.

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Eintrittspreise

€ 9,50 / € 5,50

KölnTag jeden ersten Donnerstag im Monat (Feiertage ausgenommen): freier Eintritt für alle Kölnerinnen und Kölner (mit Nachweis)

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Anfahrt

Öffentliche Verkehrsmittel: Straßenbahn Linien 1 und 7 sowie Bus Linie 142 bis Haltestelle „Universitätsstraße“
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Barrierefreiheit

Das Museum ist Barrierefrei. Behindertentoilette vorhanden.
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Museum für
Ostasiatische Kunst Köln
Universitätsstraße 100
50674 Köln
Kasse 0221.221-28617
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