Im Foyer des Museums für Ostasiatische Kunst

Ikebana

Ikebana ist die Jahrhunderte alte japanische Kunst, Blumen und Pflanzenteile zu arrangieren. Damit soll neben ästhetischen Eindrücken eine philosophisch orientierte Gestaltung der Natur hervorgehoben werden. Das Arrangieren ist sowohl von den Materialien der jeweiligen Jahreszeit, als auch von der künstlerisch behutsamen Überformung der Natur geprägt. Heute wird diese Kunstform weit über Japan hinaus weltweit ausgeübt. Ikebana verbindet durch das Hervorheben der Schönheit der Natur die Herzen der Menschen über alle Grenzen hinweg.

Zu besonderen Anlässen im Museumsjahr gestaltet die Ikebana Künstlerin Ursula Winand Arrangements, die in unserem Foyer präsentiert werden. Alle Fotos wurden von Prof. Dr. Werner Möhler aufgenommen. Die erläuternden Texte wurden von Frau Winand und Herrn Möhler zur Verfügung gestellt.

Anlässlich des chinesischen Frühlings- und Neujahrsfestes gestaltete Ursula Winand ein Ikebana-Arrangement, dass Usagi Kannon von Leiko Ikemura beigestellt wurde.

"Ikebana, die Kunst des Blumenarrangierens wird seit Jahrhunderten im gesamten ostasiatischen Raum kultiviert, so auch in China (Huādào 花道). 
In diesem Jahr beginnt das Chinesische Neue Jahr am 22. Januar. Bei dem Begehen der Neujahrsfestlichkeiten treten 2 Farben, Rot und Gelb, besonders in den Vordergrund. Rot symbolisiert Glück, Freude und alles Positive. Gelb/Gold in Verbindung mit dem tragenden Rot hebt die guten Wünsche zu Wohlstand und Fortschritt hervor.
Das zum Beginn der Festtage der Usagi Kannon beigestellte Arrangement wäre kein Ikebana, würde es nicht die feinen Nuancen dieser Symbolik und der Vielzahl der guten Wünsche in der Differenzierung von Farbe und Form der Blüten und Früchte zum Ausdruck bringen wollen.
Materialien: Nandina mit den derzeit roten Beeren, rot Dendrobie und gelbe Phalenopsis, Phyllostachys niger, gelbe Proteae, Mimosa acatia dealbata."

Im Dezember 2022 arrangierte Frau Winand ein Ikebana bestehend aus Mistel, Kiefern, Proteae und Bambus.

"Ikebana, die Jahrhunderte alte japanische Kunst des Arrangierens von Blumen und Pflanzen, Ihre Schönheit in der gegenseitigen Erhöhung zu betonen, greift die jahreszeitlichen Angebote der Natur auf. In gleichem Maße wird dem Betrachter das Zusammenspiel mythisch transzendenter Aspekte dargeboten.
Seit Urzeiten ist die Mistel in vielen Kulturkreisen Sinnbild für die Erneuerung zur dunkelsten Zeit des Jahres, hebt sie sich doch mit grünem Blattwerk und hellleuchtenden Früchten aus dem Geäst der winterkahlen Bäume als Zeichen der Kraft und der Hoffnung hervor und verheißt neue Fruchtbarkeit. Kiefern mit ihrem Wintergrün unterstreichen diese Aussage des gestalterischen Willens zusammen mit den schneehaft aufblühenden Proteae, eines der weltweit ältesten Biome, deren bepelzte Blütenblätter nicht nur dem Feuer, sondern auch der Kälte trotzen. Bambus schließlich weist, wie auch in der Gestaltung des Arrangements ablesbar, vektorgleich mit seiner immergrünen Prosperität den Weg in die zukünftige Erneuerung. Ikebana hebt diese Synergie aus Schönheit und transzendenter Bedeutsamkeit hervor."

Die Ikebana-Meisterin Ursula Winand gestaltete dieses Ikebana anlässlich der Verabschiedung von Dr. Adele Schlombs als Direktorin des MOK im Rahmen der Ausstellungseröffnung "Horizonte".

"Ikebana hat seine Wurzeln in der jahrhundertealten japanischen Kunst des Blumenarrangierens. Neben den klassischen, auf buddhistischem Gedankengut basierenden ritualisierten Formen, haben sich im letzten Jahrhundert moderne Wegen des Blumenarrangierens herausgebildet.
Das hier vorgestellte Ikebana hat als Basis eine Doppelkeramik aus schamottiertem Steingut, die die Schwere und Festigkeit des Materials mit der Dynamik der Formgebung verbindet. Die Ikebana-Künstlerin Ursula Winand stellte auf diese Basis, die auch als Ausdruck der tragenden Weisheit gesehen werden mag, mehr als 100 Jahre alte Rebstöcke, die sich nach oben strebend verbinden. Ihr Alter, ihre die Zeit überdauernde Stabilität und ihre zeitengegerbete Textur erinnern an die Stärke, die aus Weisheit erwächst. Die blauen Blüten der Orchidee Divana schließlich verbinden mit ihrer Schönheit die Zweistufigkeit der sich in den Materialien „Stein“ und „Holz“ anbietenden Symbolik zu einem meditativen Gedankenkreis"

Im April 2022 stellt Frau Winand unserer Usagi Kannon von Leiko Ikemura eine moderne Interpretation einer Blumen-Opferschale zur Seite.

"Mit dem Aufscheinen des Buddhismus und seinem Einzug über China nach Japan entstanden frühe Formen des Blumenopferns. Die Ursprünge sind in der einfachsten Form, dem Aufsammeln von Blüten auf dem Weg zum Tempel zu finden, um sie dort darzubieten. Was bot sich mehr an, als wassergefüllte Opfergefäße am Eingang des Tempels dafür zu nutzen – wassergefüllt, auch um die Schönheit von Blüten länger zu erhalten. Erst viel später, etwa ab dem 15. Jahrhundert, entwickelte sich daraus die Form des Ikebana, dem Arrangieren von Blumen und Pflanzenteilen zu buddhistisch geprägten Aussageformen. Hier nun wird der Bronzeplastik Usagi Kannon von Leiko Ikemura die moderne Interpretation einer Blumen-Opferschale zur Seite gestellt. Die Schale ist den historischen Vorbildern folgend mit Wasser gefüllt, um zum Beispiel Kindern, denen Kannon die Idee der Mitgefühls vermitteln mag, die Gelegenheit zu bieten, sich ihr mit kleinen Gaben aus der Natur anzunähern."

Dieses Begrüßungsarrangement ist ein Freestyle nach der Sogetsu-Schule Tokyo. Ursula Winand fertige es anlässlich der Sonderausstellung "Shinhanga" im März 2022.

"Aus der Basis und dem Dai erhebt sich als Gefäß eine Kombination aus zwei fächerartig geteilten Bambusrohren in schwarzem Lack. Die untere Ebene ist mit Nandina-Blattwerk und Nandina-Beeren ausgestattet, ergänzt durch kleine Äste der Schirmtanne. Die obere Ebene ist durch Gloriosa-Blüten gekrönt, die umfangen sind von Schirmtanne und Plumosis. Die unterschiedlichen Rottöne werden durch ihre Komplementäre, das Grün der umgebenden Nadeln und Blätter, hervorgehoben. Der rote Bambusstab symbolisiert den Juwelenspeer Amenonuhoko 天瓊戈."

"Das zum Jahresanfang 2022 arrangierte Ikebana am Eingang zur Ausstellung „100 Ansichten des Mondes“ im MOK zeigt die Verbindung von japanischen Glückssymbolen aus dem Pfanzenreich wie Pinie, Himmelsbambus und Kamelie mit den traditionellen „Mizuhiki“, Reispapierstreifen, die die Festlichkeit mit den Farben Gold und Silber aufscheinen lassen.
Die Ikebana-Meisterin Ursula Winand gestaltete dieses Arrangement zur Begrüßung des Neuen Jahres und der Ausstellungsbesucher in einem Gefäß aus Bambus als vergrößerte Nachbildung (ca. 1,8m hoch) eines zu hohen Festen gespielten Instruments, der Shō, der japanischen Mundorgel. Die Bedeutungen der Glückssymbole des Arrangements verbinden sich so mit dem Ausdruck der höchsten Festlichkeit im Zitat des Instruments."

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Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag
11–17 Uhr
1. Donnerstag im Monat
11-22 Uhr (ausgenommen Feiertage)
am 1.1., 24., 25. und 31.12 eines jeden Jahres geschlossen; geöffnet an Ostermontag und Pfingstmontag.
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Eintrittspreise

€ 9,50 / ermäßigt € 5,50

KölnTag jeden ersten Donnerstag im Monat (Feiertags ausgenommen): freier Eintritt für alle Kölnerinnen und Kölner (mit Nachweis)
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Anfahrt

Öffentliche Verkehrsmittel: Straßenbahn Linien 1 und 7 sowie Bus Linie 142 bis Haltestelle „Universitätsstraße“
Parkplatz am Museum
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Barrierefreiheit

Das Museum ist Barrierefrei. Behindertentoilette vorhanden.
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Museum für
Ostasiatische Kunst Köln
Universitätsstraße 100
50674 Köln
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